Kinder psychisch kranker Eltern (KiP)

Die Durchführung von KiP erfolgt in enger Kooperation des Landkreises Ravensburg und dem Arkade e. V.

Friederike Bauer
Landratsamt Ravensburg
Kreishaus II
Gartenstraße 107
Ravensburg
Tel.: 0751 / 85-3216
Fax: 0751 / 85-773216

Sylvia List
Arkade e. V.
Eisenbahnstr. 30/1
88212 Ravensburg
Tel.: 0751 / 36655-91
Fax: 0751/36655-99

Wenn ein Elternteil psychisch stark belastet oder erkrankt ist, betrifft dies immer auch die ganze Familie. Besonders für die Kinder ist die Situation oft sehr verunsichernd, weil sie die Verhaltensweisen des erkrankten Elternteils nicht einordnen können und die Eltern in dieser Krisensituation nicht immer die Möglichkeit haben, adäquat auf die Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen.

In der Bundesrepublik Deutschland leben nach Expertenschätzung ca. 2-3 Millionen dieser Kinder. Es sind Kinder und Jugendliche, die bedingt durch die psychische Erkrankung eines Elternteiles allein gelassen sind mit Gefühlen wie Angst, Scham, Verunsicherung und Schuld. Noch besteht ein großes Defizit an Aufklärung und an Betreuungs- und Beratungsangeboten für sie, denn bisher stand primär lediglich der betroffene Elternteil im Mittelpunkt. Die schwierige Situation dieser Kinder dagegen wurde kaum wahrgenommen und die Folgen für die betroffenen Kinder zu wenig berücksichtigt.

Durch das Projekt KiP soll die Situation von Kindern psychisch kranker Eltern im Landkreis Ravensburg verbessert und mit dazu beigetragen werden, dass ihre seelische Entwicklung unterstützt wird und schädigenden Entwicklungen vorgebeugt wird. Betroffenen Kindern und Eltern sollen Unterstützung im Umgang mit dieser belastenden Situation erhalten.

Um die Versorgungssituation von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Belastungen im Landkreis Ravensburg weiter zu verbessern, beteiligt sich das Jugendamt Ravensburg seit dem 01.07.2015 am Interreg V Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein-Projekt „Kinder im seelischen Gleichgewicht“.
Ziel ist es, die seelische Gesundheit von Kindern in der Bodenseeregion zu fördern und psychischen Erkrankungen bei Kindern entgegenzuwirken. Ziel ist zudem, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Vernetzung von Fachwissen, sowie die Etablierung einer gemeinsamen Sprache und Versorgungsstandards. Beteiligt sind der Kanton St. Gallen, Appenzell Innerhoden und Appenzell Ausserhoden, der Kanton Thurgau, das Fürstentum Liechtenstein, der Landkreis Lindau, der Bodenseekreis und der Landkreis Ravensburg.

Neben der Umsetzung und Weiterentwicklung des Angebots KiP, hat sich das Regionalprojekt des Jugendamts Ravensburg zum Ziel gesetzt interdisziplinäre Fachkräfte für die Bedürfnisse von Familien in besonderen Lebenslagen zu sensibilisieren und fachlich fortzubilden. Eine Vernetzung bestehender Anlaufstellen und Angebote verschiedener Hilfesysteme soll dazu beitragen Familien frühzeitig und passgenau zu erreichen und zu beraten.

Kontakt: Landratsamt Ravensburg, Jugendamt, Jessica Kohlbauer, Gartenstr. 107, 88212 Ravensburg, Telefon: 0751/85-3212, E-Mail: jessica.kohlbauer@landkreis-ravensburg.de

Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?

  1. Patenschaften
    Eine Patenschaft kann von einer Familie, aber auch von einzelnen Personen/Paaren übernommen werden. Die Paten sollen unterstützend und entlastend wirken, indem sie z. B. regelmäßig Zeit mit dem Kind verbringen bzw. die Betreuung des Kindes übernehmen, den Eltern bestimmte Aufgaben in Bezug auf das Kind abnehmen (z. B. Lernen auf eine Klassenarbeit) und den Kindern in Krisenzeiten zur Seite stehen. Die Paten bzw. die Patenfamilien sollen nicht die eigene Familie des Kindes ersetzen, sondern sich als Ergänzung verstehen. Eine Patenschaft kommt nur zustande, wenn sich die Beteiligten untereinander sympathisch sind und sich vorstellen können, auch schwierigere Zeiten miteinander durchzustehen. Alle Patenschaften werden durch eine Projektmitarbeiterin begleitet.
  2. Gruppenangebote
    In den Gruppenangeboten besteht für Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, andere Kinder und Jugendliche kennen zu lernen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, mehr über psychische Erkrankungen zu erfahren und auch einfach miteinander Spaß zu haben. Die Inhalte der regelmäßigen Treffen sind auf die Altersstruktur und die Bedürfnisse der jeweiligen Gruppe abgestimmt. Durchgeführt werden die Gruppen von Fachpersonal.
    Zusätzlich bietet das Projekt KiP immer wieder freizeitpädagogische Aktionen an, die in der Regel in den Schulferien stattfinden.
  3. Individuelle Hilfen/Beratung
    Für betroffene Kinder und Jugendliche und ihre Eltern ist es jederzeit möglich, auch einfach erst einmal einen Gesprächstermin zu vereinbaren und sich über die Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten im Projekt KiP und der Jugendhilfe im Allgemeinen zu informieren. Auch für betroffene Kinder und Jugendliche, die Fragen zur psychischen Erkrankung haben, die aber keines der anderen Angebote besuchen möchten, ist jederzeit ein Beratungsgespräch möglich.

Wenden Sie sich an die Projektmitarbeiterinnen, ...

  • … wenn Sie als Vater oder Mutter von einer psychischen Erkrankung betroffen sind oder psychisch stark belastet sind und sich
         informieren möchten, was Sie für Ihre Kinder/Ihr Kind tun können, damit sie/es mit der Situation besser zurecht kommt
  • … wenn Dein Vater oder Deine Mutter psychische Probleme hat und Du mit jemandem darüber sprechen möchtest
  • … wenn Sie sich für die Übernahme einer Patenschaft interessieren.

Weitere Informationen finden Sie im Flyer zum KiP-Projekt (976 KB) und unter den folgenden Links: