Abstand halten ist die beste Vorsorge
Kreis Ravensburg - seit einiger Zeit ist ein vermehrtes Aufkommen der Fuchsräude im Landkreis Ravensburg festzustellen. Besonders stark betroffen davon sind die Gemeinden Argenbühl, Isny, Leutkirch und Kißlegg. Das Kreisjagdamt im Ravensburger Landratsamt warnt deshalb davor, Füchse zu füttern oder verendete Tiere anzufassen, da diese Krankheit auch auf Menschen und Haustiere übertragbar ist.
Er ist unbestritten ein hübscher Bursche in seinem roten Pelz mit den schwarzen „Stiefeln“ und dem weißen Bart und dazuhin auch das, was die Fachleute einen Kulturfolger nennen, nämlich ein Wildtier, das längst gelernt hat, dass sich in der Nähe der Menschen auch ohne großen Aufwand immer etwas zu fressen findet und seien es nur die Reste auf dem Komposthaufen oder im Fressnapf für den Stubentiger auf der Terrasse. Auch wenn Tollwut im Landkreis Ravensburg seit mehr als 15 Jahren kein Thema mehr ist, so ist die Gefahr, sich auf diese Weise mit dem gefährlichen Fuchsbandwurm oder, ganz aktuell, mit der Fuchsräude anzustecken, nach wie vor sehr groß. Gerade kranke Tiere suchen nämlich ganz bewusst die Nähe der Menschen, da ihnen die Kraft zur Jagd fehlt.
Verursacht wird die Fuchsräude durch winzige Milben. Bei einer Größe von 0,2 bis 0,5 mm sind diese mit den Spinnen verwandten Parasiten mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Die Krankheit wird hauptsächlich durch direkte Berührung zwischen Tieren bzw. zwischen Tier und Mensch übertragen und ist in Deutschland nicht nur beim Fuchs, sondern auch bei Dachs, Rehwild, Wildschwein, aber auch beim Hausschwein, bei Hund und Katze bekannt und kann bei entsprechendem Kontakt mit infizierten Tieren auch auf den Menschen übertragen werden.
Die Milben graben sich in die Haut ihrer Wirte und vermehren sich dort explosionsartig. Bevorzugt befallene Körperteile sind Ohren, Kopf, Brust, Vorderbeine sowie der Rücken. Schon wenige Wochen nach der Infektion erscheinen die ersten Symptome wie Hautrötungen und Schuppenbildung, begleitet von starkem Juckreiz. In Folge davon scheuern und kratzen sich die Tiere die Haut auf, was zu Haarausfall und einem struppig aussehenden Fell führen kann. Die Tiere magern ab und zeigen oft Verhaltensstörungen und verenden im Regelfall innerhalb von drei Monaten durch Auszehrung und Erschöpfung. Bei Haustieren kann die Räude mit Medikamenten gut behandelt werden. Beim Menschen dauert der Krankheitsverlauf wenige Tage bis einige Monate. Die Veränderungen der Haut sind im Vergleich zu Tieren weniger ausgeprägt und treten vor allem am Rumpf und an den Armen auf. Der Juckreiz dagegen kann sehr heftig sein. Deshalb rät das Landratsamt insbesondere im Umgang mit toten Füchsen oder anderen verendetem Haarwild zu besonderer Vorsicht. Kadaver sollten keinesfalls mit der bloßen Hand angefasst werden.
Gerade weil Füchse längst zu den Ansiedlungen der Menschen gehören wie Kinderspielplätze zu Neubausiedlungen ist die Bekämpfung der durch sie übertragbaren Krankheiten so schwer, schreibt das Kreisjagdamt in seiner Pressemitteilung. So müssen in Wohngebieten Abschüsse wegen der damit verbundenen Gefahren besonders genehmigt werden und werden deshalb auch nur in seltenen Ausnahmefällen erteilt. Deshalb rät man im Landratsamt, den menschlichen Lebensraum für „Meister Reinecke“ so unattraktiv wie nur möglich zu machen. Dass dies ohne großen Aufwand möglich ist, zeigen die nachfolgenden Tipps. So sollten beispielsweise Futternäpfe für Haustiere nicht über Nacht im Freien belassen werden. Auf gar keinen Fall sollte man versuchen, Füchse anfüttern oder gar zähmen zu wollen. Füchse finden wie übrigens auch alle anderen Wildtiere und Vögel auch ohne die Hilfe des Menschen ausreichend Nahrung. Da sich Füchse nicht nur von Beutetieren ernähren, sondern auch Küchenabfälle als Nahrungsquelle akzeptieren, sollten vor allem Komposthaufen entsprechend abgedeckt werden. Fleischabfälle im Komposthaufen zu vergraben, bringe angesichts des hervorragenden Geruchssinns dieser Tiere „rein gar nichts“.
Generell gilt, dass der Mensch Distanz halten und aufdringliche Füchse verscheuchen sollte. Dies gelte, wie das Landratsamt weiter schreibt, gerade für die „niedlichen“ Jungtiere oder vermeintlich „halb zahme“ Tiere. Stattdessen zu einem Besen oder zum Gartenschlauch zu greifen sei allemal gesünder als irgendwann einmal mit der Diagnose „Fuchsräude“ oder noch schlimmer „Fuchsbandwurm“ konfrontiert zu werden, warnt die Kreisbehörde. Gerade letztere Krankheit wird vor allem durch Fuchskot übertragen, der schon deshalb im Hausgarten rein gar nichts verloren hat.
Pressedienst Nr. 28
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Ravensburg, den 10. März 2010
