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24.02.2010 Was hat Moorschutz mit Klimaschutz und Wirtschaftsförderung zu tun?



Einbau einer Spundwand zur Wiedervernässung-Blitzenreuter Seenplatte

Moorschutz im Landkreis Ravensburg
in 20 Jahren mehr als 34 Mio. Euro Fördermittel in den Landkreis
1000 Landwirte mit Pflegeverträgen


Kreis Ravensburg – Auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben die zahlreichen oberschwäbischen Moore mit modernem Klimaschutz und noch weniger mit Wirtschaftsförderung. Bedenkt man allerdings, dass der Schutz der Moore in den letzten 20 Jahren mehr als 34 Millionen Euro an Fördergeldern in den Landkreis gebracht hat und intakte Moore bis zu 5 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar und Jahr binden können und dies unter Umständen über Tausende von Jahren, erscheinen diese bis vor wenige Jahre noch als mehr oder minder nutzlose Überbleibsel der Eiszeit abqualifizierten Flächen in einem ganz neuen Licht. Der nachfolgende Bericht der PRO REGIO GmbH will aufzeigen warum.

Der Landkreis Ravensburg beherbergt nicht nur rund 70 Prozent aller Gewässer im Regierungsbezirk Tübingen, er ist auch reich ausgestattet mit Mooren. Dies ist weiter nicht verwunderlich, sind Moore doch nichts anderes als verlandete ehemalige Seen, die wie die meisten der noch bestehenden Seen ihre Existenz den Gletschern der letzten Eiszeit verdanken. So findet sich hier im Landkreis mit dem Wurzacher Ried nicht nur eines der europaweit bedeutendsten und deshalb auch mit dem Europa-Diplom ausgestatteten Moore, sondern auch das nahezu gleichwertige Pfrunger-Burgweiler Ried bei Wilhelmsdorf, die Bodenmöser bei Isny oder das Gründlenried bei Kißlegg. Allein diese vier Moorlandschaften umfassen eine Fläche von insgesamt 5.500 Hektar und stellen damit zugleich auch einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten dar.

Genutzt wurden diese Flächen bereits seit dem Mittelalter als Weiden und vor allem als Lieferant von Einstreumaterial für Viehställe. Später folgte ihr Abbau zur Gewinnung von Torf, der lange Zeit als Brennmaterial und ab 1950 vor allem als Bade- und Gartentorf genutzt wurde.

Ein Moor bildet sich aus Pflanzen, die bekanntlich bei ihrem Wachstum Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen. Torf ist deshalb nichts anderes als die über Jahrhunderte im Wasser konservierten Überreste ehemaliger Pflanzen und mit diesen Pflanzenfasern wurde auch das Kohlendioxid konserviert, das diese Pflanzen seinerzeit aus der Umwelt aufnahmen. Genau deshalb kommt nun in der aktuelle Klimaschutzdiskussion den Mooren eine ganz neue Bedeutung bei, da intakte Moore nicht nur das bereits in ihnen gebundene Kohlendioxid theoretisch weiterhin unbegrenzt speichern und schon damit die Umwelt entlasten können, sondern bei entsprechendem Wachstum auch noch zusätzlich Unmengen dieses Treibhausgases binden können. Theoretisch ist diese Rechnung deshalb, weil sie ein lebendes Moor voraussetzt und zum Leben benötigt ein Moor vor allem eines, nämlich Wasser. Wird ein Moor aber wie in der Vergangenheit genutzt, bedeutet dies zunächst einmal seine Trockenlegung. Genau damit wird jedoch der natürliche Verwesungsprozess in Gang gesetzt mit der Folge, dass das zuvor gebundene Kohlendioxid und andere klimaschädlichen Gase auch wieder in die Atmosphäre gelangen.
An dieser Stelle setzt der moderne Naturschutz nun ein und sorgt beispielsweise durch den Bau von Stauwehren und dem Aufstauen alter Entwässerungsgräben für ein Ansteigen des Wasserspiegels. Sind diese Maßnahmen erfolgreich, an denen sich hier und dort und ganz im Sinne der Klimaschützer auch wieder der „Dammbaumeister Biber“ beteiligt, wird nicht nur der bisherige Zersetzungsprozess und damit der Kohlendioxidaustrag des Torfs gestoppt, das Moor kann vor allem auch wieder wachsen und zwar um jährlich bis zu zehn Millimeter. Allein dieses vergleichsweise geringe Wachstum vermag jedoch bis zu 5 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar neu zu binden und stellt damit manches andere hochtechnische Luftreinhaltungsprogramm locker in den Schatten, schreibt die PRO REGIO GmbH in ihrem Pressebericht.

Aus diesem Grund hat der Landkreis Ravensburg bereits in den 1980-er Jahren damit begonnen, Moore zu schützen, die dafür notwendigen Flächen aufzukaufen und anschließend wieder zu vernässen. So wurde im Wurzacher Ried bis 1997 ein Naturschutz-Großprojekt umgesetzt; im Pfrunger-Burgweiler Ried läuft derzeit ein ähnliches Großprojekt bis vorerst noch 2011, das vom Landkreis Ravensburg, mehreren Gemeinden und dem Schwäbischen Heimatbund getragen sowie von Bund und Land gefördert wird.
In der Blitzenreuter Seenplatte wurde von 2002 bis 2007 unter Federführung der PRO REGIO GmbH und mit Hilfe einer Förderung aus dem LIFE-Programm der EU ein Projekt zur Lebensraumoptimierung und Besucherlenkung umgesetzt. An dem Projekt und den Kosten beteiligten sich neben den Gemeinden auch der Landkreis Ravensburg, die Naturschutz-, Forst- und Wasserwirtschaftsverwaltung. Allein dieses Projekt bindet auf seinen 150 Hektar rund 500 Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Zum Vergleich: diese Menge entspricht der Verbrennung von 200.000 l Benzin oder dem Ausstoß von 400 5-Liter-Autos auf 10.000 km. Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass große Bereiche der Seenplatte bei Projektbeginn „dank“ früherer Trockenlegungen selbst große Mengen von Treibhausgasen in die Atmosphäre entließen.
Als aktuelles Projekt hat die Hochschule Nürtingen im Bereich Kißlegg ein Projekt zum Moorschutz begonnen, parallel dazu bereitet der Landkreis im Arrisrieder Moos bei Kißlegg ein Projekt zur Lebensraumverbesserung vor.
Von diesen Vorhaben profitiert aber nicht nur der Klimaschutz, sondern auch die Landwirtschaft, da die Betreuung der mittlerweile kreisweit rund 1200 Hektar unter Schutz gestellten Moorflächen im Rahmen entsprechender Pflegeverträge an insgesamt rund 1000 Landwirte vergeben wurde. Dass moderner Umweltschutz auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, belegt eine weitere Zahl: Allein die Maßnahmen zum Schutz der Moore brachten in den letzten 20 Jahren Fördermittel von mehr als 34 Mio. Euro in den Landkreis.

 

 

Pressedienst Nr. 20

Pressestelle
Friedenstraße 6
88212 Ravensburg
Telefon: 0751/85-9200
Telefax: 0751/85-9205

Ravensburg, den 24. Februar 2010



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